Der teuflische Barbier aus der Fleetstreet

Normalerweise bin ich nicht unbedingt ein Fan von Musical-Filmen, aber es gibt Ausnahmen, z.B. Westside Story, die durch eine gewisse Coolness und wirklich ausgezeichnete Musik heraus sticht. Auch Sweeney Todd von Regisseur Tim Burton hat das Potential dazu. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Musical von Stephen Sondheim, das wiederum auf einer urbanen Legende basiert, die Einzug in die angelsächsische Literatur fand. Zusammen mit seinem Stammschauspieler Johnny Depp als Sweeney und seiner Angetrauten Helena Bonham Carter als dessen Komplizin Mrs. Lovett bringt Burton eine für ihn typische Geschichte auf die Leinwand – voller Morbidität und makaberem Humor. Der Film gehört aber bei näherer Betrachtung zu den ernsteren seiner Werke.


Während er bei seinem ersten literarischen Auftritt als Motiv nur schnöde Gier und Mordlust hatte, sinnt er in der moderneren Version auf Rache. Er führte ein glückliches Leben, hatte ein bezaubernde Frau und eine kleine Tochter, doch ein eifersüchtiger Richter nahm ihm alles, schickte ihn unschuldig ins Gefängnis. Als er schließlich entkommen kann hat er einen Monte Cristo-artigen Feldzug gegen die im Sinn, die an seiner Misere schuld sind. Anders als der berühmte Franzose ist Sweeney aber dem Wahnsinn sehr nahe und sinkt immer tiefer in den Abgrund herab. Er mordet in seinem Barbierladen auch gänzlich Unschuldige (wobei das Blut reichlich spritzt). Die Leichen verarbeitet Mrs. Lovett zu Pasteten und verkauft sie an ahnungslose Kunden. Sein einziges anders Interesse liegt bei seiner Tochter, die der bösartige Richter adoptiert hat.


Sweeney Todd ist zwar übertrieben, aber nicht kitschig, was ein Manko bei vielen Musical-Filmen ist. Auch auf Tanzeinlagen wird weitestgehend verzichtet und wenn sind sie passend und nicht albern. Die Musik ist nicht großartig, aber Depp & Co. Schlagen sich eigentlich ganz gut, dafür dass sie eigentlich keine Sänger sind – und damit sehr viel besser als so mancher Prominenter, der der irrigen Vorstellung erlegen ist, er könne singen. Sinnvoller weise wurden die gesungenen Passagen auch bei der deutschen Tonspur nicht übersetzt, was nur manchmal etwas merkwürdig wirkt, da gewöhnlicher Text und Gesang nahtlos in einander übergehen.

Optisch ist der Film sehr düster und farblos. Richtig bunt wird es nur in Rückblenden und in den Tagträumen von Mrs. Lovett, die sich ein glückliches Familienleben mit Sweeney und einem Waisenknaben, den sie bei sich aufgenommen hat, ausmalt. Sonst bleibt alles im Wesentlichen in schwarz-weiß und blutrot. Das passt sehr gut zu der düsteren Thematik.

Von seinem übermäßigen Rachedurst getrieben, zerstört der irrsinnige Barbier am Ende sich selbst und das was ihm am wichtigsten war. Doch die Geschichte ist nicht ganz trostlos, hat sie für einige Beteiligte doch auch ein angenehmes Ende.


Schlussendlich überzeugt der Film weniger als Musical denn als scheußlich-schöne Schauergeschichte. Aufgewertet wird er durch das Charisma seines Hauptdarstellers, das immerhin der einzige Grund war, warum man den 2. und 3. Teil der „Pirates of the Caribbean“-Trilogie sehen sollte. Es lohnt sich hier mal ein Auge und ein Ohr drauf werfen.