World War Z: An Oral History of the Zombie War

 

Wer länger lebt, ist später tot – Operation Zombie“ lautet der absurde und ziemlich unpassende Titel der deutschen Übersetzung des zweiten von Max Brooks veröffentlichten Buches. Zuvor schrieb der Sohn von Komikerlegende Mel Brooks den Zombie Survival Guide, der in „World War Z“ auch Erwähnung findet – aber wegen den Hinweisen auf dicke Geländewagen und eigene Feuerwaffen als zu sehr auf Nordamerikaner zugeschnitten kritisiert wird. Mit dem Nachfolgewerk hat er eine brilliante und innovative Idee auf ebenso grandiose Weise umgesetzt.

 

World War Z ist eine Sammlung fiktiver Interviews, die in der Zukunft stattfinden, 12 Jahre nachdem der große Krieg in den USA für gewonnen erklärt wurde. Diese Interviews werfen kein umfassendes, aber dennoch sehr vielschichtiges Bild auf die größte Katastrophe, die die Menschheit je heimsuchte – eine verheerende Zombie-Pandemie. Abgesehen von den recht klassischen zähen, doch weitgehend hirnlosen Zombies, die ihren Virus durch Biss übertragen wirkt alles sehr glaubwürdig und gut durchdacht. Man hat das Gefühl, wenn es tatsächlich Zombies gäbe, könnte es wirklich so ablaufen. Die Interviews sind in Kapitel geteilt, die nicht unbedingt chronologisch sind, sondern thematisch geordnet. Zunächst „Vorzeichen“ über die Anfänge in China und erste Anzeichen. Dann „Schuld“, die meisten Länder unterschätzten das Problem oder zweifelten zu Lange am Wahrheitsgehalt des Zombieauftretens. Das einzige Land das schnell und entschlossen reagierte war Israel, dem die Paranoia von Geburt an eingeimpft ist. Es folgen die Kapitel „Die große Panik“, „Das Blatt wendet sich“, „Heimatfront USA“ und „Rund um die Welt und darüber“ (die ISS spielt eine nicht unwichtige Rolle) in denen beschrieben wird wie die Leute auf die Zombies reagierten und wie der Kampf der Zombies schief und richtig ging. Von entscheidender Bedeutung dabei ist der Redeker-Plan, der für das Apartheid-Regime entwickelt wurde, um gegen einen Aufstand der Schwarzen vorzugehen. Eine der besten Stellen ist die als Nelson Mandela über den ehemaligen, hohen Apartheid-Beamten Paul Redeker sagt „Dieser Mann wird unser Volk retten.“ und ihn umarmt. Abgeschlossen wird das Buch durch die Kapitel „Totaler Krieg“ (womit der wirklich totale Krieg der Untoten gemeint ist), in dem nochmals verschiedene Arten und Besonderheiten der Kriegsführung beleuchtet werden und „Abschiede“, worin einige zuvor unvollendete Interviews abgeschlossen werden.

 

Die einzelnen Interviews sind alle nicht sehr lang, aber bringen es kurz auf den Punkt und haben oft interessante Pointen. Trotz ihrer Kürze haben sie ein erstaunliches Maß an Drama, Tragik, aber auch Tiefgründigkeit und Witz. Sie sind voll gepackt mit Informationen und auch eindrücken über die reale Welt, was ihnen ihre Glaubwürdigkeit verleiht. Selbst Dinge die zunächst merkwürdig scheinen mögen, wie der Reichtum Kubas oder dass Lhasa, die Hauptstadt Tibets, nun die größte Stadt der Welt ist, sind auf den zweiten Blick völlig logisch. Noch mehr Inhalt bekommt das Buch dadurch, dass auch die immer in wenigen Sätzen auf die Situation während des Interviews eingegangen wird, wodurch sich ein Bild der Zeit nach dem Krieg ergibt. Man kann in dem Buch sogar gesellschaftskritische Aspekte sehen; in der Ignoranz der Regierungen und in der Grausamkeit und Dummheit, die Menschen in ihrem Drang nach Überleben und Komfort an den Tag legen. Aber es hat auch optimistische Seiten; die Menschen die in den Zeiten der Not wieder zueinander finden, sich gegenseitig helfen, Heldenmut und wahre Größe zeigen.

 

Alles in allem ist World War Z ein Buch das man gelesen haben muss! Da hilft es auch nichts, dass Paramount Pictures sich die Rechte holte und Brad Pitts Produktionsfirma Plan B Entertainment nächstes Jahr eine Verfilmung auf die Leinwand bringen will. Denn eine Filmumsetzung ist nicht nur äußerst schwierig und vermutlich stark kürzend, sondern wird auch wohl weitaus weniger extrem sein. Andernfalls wird das Blutbad von Yonkers, bei dem die Zombies der US-Army in den Arsch treten wohl die gore-lastigste Schlacht, die jemals zu sehen war, und zugleich die mit am meisten Nackten.