Helden vergangener Zeiten

Vorgestern lief „Operation Walküre“ ein Historien-Thriller von Bryan Singer an, der sich um das Attentat auf Hitler vom 20. Juli1944 dreht – was angesichts des Medienrummels kaum jemandem entgangen sein dürfte. Ein gut gemachter Film, der trotz des bekannten Ausgangs eine gewisse Spannung aufbauen kann. Der Plan der Putschisten war gut, und nur ihr Pech hielt sie vom Erfolg ab. Für jemanden in diesem Teil der Geschichte völlig unbewandertem ist, dürfte das ganze natürlich noch etwas interessanter sein. Wie mehrfach von entsprechenden Gelehrten, z.B. Stauffenberg-Biograph Peter Hoffmann, der auch an dem Film beteiligt war, versichert wurde, ist der Film durchaus um historische Genauigkeit bemüht. Natürlich gibt es in Details einige Änderungen (zusammengefasste Personen, verkürzte Zeiträume), um die Geschichte Blockbuster-tauglich zu machen, aber im großen und ganzen ist er treffend.


Im Vorfeld wurde vor allem über Hauptakteur Tom Cruise gelästert. Nicht nur wegen seines Scientology-Hintergrundes, sondern auch wegen seiner Darstellung Stauffenbergs. Nicht als Offizier der Reichswehr schiene er, sondern als amerikanischer Superheld. Diesen Eindruck kann ich aber nicht so recht teilen. Als solcher hätte ich erwartet, dass er von Demokratie, Gleichheit oder Freiheit redet. Das tut er aber nicht. Er redet von Menschenleben, vom Stoppen von Verbrechen und der Ehre der Armee, der er angehört, und seines Heimatlandes. Dabei bleibt er ein wenig farblos, man erfährt nur wenig über ihn und sein bisheriges Leben. Aber das finde ich gar nicht so wichtig, darum geht der Film nicht.

Auch wenn es immer einige anders sehen, aber mEn nur aus Prinzip, nicht aufgrund von Fakten, war Stauffenberg durchaus das, was ich als einen echten Helden bezeichnen würde. Ein Mann, der einen Eid brach, der ihm sehr wichtig war, sein Leben und das seiner Familie riskierte, um Schützenswertes zu retten. Wäre das sinnvoll gewesen hätte er bestimmt sogar den unausweichlichen Tod in Kauf genommen. Aber er war ein Held aus einer anderen Zeit. Unsere heutigen Wertevorstellungen sind eben etwas anders als die unserer Vorfahren in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Für Stauffenberg, den Grafen, war ein Krieg vermutlich ein legitimes Mittel einer agressiven Außenpolitik. Andernfalls wäre er auch kaum in eine Position gelangt, die ihm die Ausführung eines Planes, wie er ihn vorhatte, überhaupt ermöglichte. Er träumte wie so viele andere von Deutschland als Weltmacht. Er war ein Aristokrat, der sich zumindest als nobler als das gemeine Volk empfand – und nicht viel von der Herrschaft dieses Volkes ans Ganzem hielt. Das schmälert aber nicht die Taten, die er aufgrund des Drängens seines Gewissens ausführte.


Das man die unmodernen Ansichten Stauffenbergs, die wohl auf viele Zuschauer unsympathisch gewirkt hätten, nicht weiter thematisierte, tut der Qualität des Films mMn keinen Abbruch. Mehr noch, ich befürworte es eigentlich sogar. Es gibt unzählige Filme in denen die Deutschen zur Zeit des Nationalsozialismus verteufelt werden, da ist es auf eine Art fair, wenn der Film möglicherweise kritisch zu sehende Punkte nicht in den Fokus rückt.