Die sieben Samurai

Akira Kurosawa ist einer der, wenn nicht der größte Regisseur Japans und sein unbestrittenes Meisterwerk ist der legendäre Action-Klassiker „Die sieben Samurai“. Unzählige Male kopiert (z.B. im Western-Remake „Die glorreichen Sieben“), erzählt der Film davon wie eine heruntergekommene Truppe fähiger Krieger ein Dorf vom Terror durch eine plündernde Bande befreit. Während viele Filme mit diesem Schema billiger Schund sind, hat man mit diesem Stück Kinogeschichte aber ein geistreichen, ergreifenden und spannenden Mammutschinken.


Regelmäßig wird ein ein Bauerndorf im feudalen Japan von Banditen ausgeplündert. Da sie befürchten zu verhungern, wenn die Ernte erneut gestohlen wird, beschließen die verzweifelten Dörfler einige Samurai auf zu treiben, die ihnen beistehen. Da sie aber kein Geld haben und nichts weiter als ein paar Schalen Reis am Tag und ein Dach über dem Kopf zu bieten haben, stellt sich die Suche als ziemlich schwierig heraus. Als sie schon drauf und dran sind aufzugeben, treffen sie zu ihrem Glück auf den weisen und gütigen Samurai Kambei (Takashi Shimura). Er lässt sich überzeugen ihnen zu helfen und sucht nun seinerseits 6 weitere Krieger, was er für die minimal benötigte Zahl hält, um das Dorf zu verteidigen. Mühselig gelingt es ihm 5 zu finden, der überdrehte Hochstapler Kikuchiyo (wahnsinnig gut gespielt von Kurosawas Lieblingsmimen Toshirō Mifune) zwingt sich als siebenter „Samurai“ der Truppe mehr oder weniger auf.

Im Dorf werden sie sehr viel weniger herzlich als erwartet begrüßt. Die Bauern hassen und fürchten die Samurai, ihre Unterdrücker. Die sieben Kämpfer werden wohl lediglich als das kleinere Übel gegenüber den 40 Banditen angesehen. Schon im Vorfeld wird dies deutlich. So schneidet beispielsweise einer der Dörfler seiner Tochter die Haare ab und zwingt sie Männerkleidung zu tragen, weil er befürchtet, die Samurai würden sonst über sie herfallen. Als die ausgesandten Bauern erfolgreich zurückkehren wirkt das Dorf wie ausgestorben, weil sich niemand aus dem Haus traut.

In der Folge verbessert sich das Verhältnis zwischen den Gruppen, während die Samurai die Siedlung und ihre Einwohner auf den Kampf vorbereiten. Doch es kommt wiederholt zu Problemen und es stellt sich heraus, dass auch die scheinbar so unschuldigen Bauern es keineswegs sind. Als eine Art Bindeglied fungiert dabei Kikuchiyo, der Bauernsohn, der sich als Samurai ausgibt, und was Mut und Kampffertigkeit angeht auch in diese Kategorie gehört. Nachdem ein dunkles Geheimnis der Bauern enthüllt wird, ereifert er sich heftig. Natürlich seien selbige ein elendes, listiges Pack der übelsten Sorte, doch nur weil die Samurai das Land mit Krieg und Terror überziehen – für das Leiden des einfachen Volkes scheinen sich die Kriegstreiber nicht zu interessieren.


Der Film führt die einzelnen Figuren sehr sorgfältig ein und der historische, gesellschaftliche Konflikt ist ein wichtiges Thema. Bis hier hin dauert er schon länger als ein durchschnittlicher Film komplett. Gekürzte Fassungen schneiden auch vor allem aus diesem Teil Szenen heraus oder verkürzen sie.

Aber keine Sorge, das mit dem Actionfilm ist nicht nur ein leeres Versprechen. Letztlich kommen die Banditen und es gibt ein tagelanges, erbittertes Gemetzel. Obwohl kein Blut zu sehen ist, muss ich es als sehr blutig beschreiben, denn es ist kein sauberer „Ratz-Fatz-Kampf“, sondern die Gegner werden mühselig zur Strecke gebracht. Das lange, unbarmherzige Gefecht lockt die nobelsten und die abscheulichsten Eigenschaften aus den Menschen hervor.


Der 1954 gedrehte Film hatte ein für die damalige Verhältnisse und insbesondere einen japanischen Film enormes Budget von etwa 20 Millionen Yen, damals also gut 55.000 US-$, was einem heutigen Gegenwert von (je nach Umrechnungsmethode) etwa 360.000 bis guten 2 Millionen $ entspricht. Nach heutigen Maßstäben ist das natürlich ein Witz, aber damals war es eine große, risikoreiche Investition. Näher an die Moderne kommt die Beteiligung von 3.000 Personen, die an dem Machwerk arbeiteten, dessen Entstehung 1 Jahr dauerte. Ein echter Blockbuster also.


Bei IMDB ist er auf Platz 13 der besten Filme aller Zeiten. Das ist eine besonders beachtliche Leistung, da ältere Filme in der Regel schlechter bewertet werden als jüngere. Dieses Urgestein des Actionkinos , sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Und zwar in einer möglichst ungeschnittenen Fassung, da die massiven Kürzungen den Film doch verzerren und ärmer machen. Denn er ist ein Actionfilm, der sich nicht nur auf die eigentliche Action beschränkt, sondern hat auch einen hin- und weiterführenden Sinn.


Hier ein schöner Fantrailer:






Auch für dieses Jahr ist eine Remake des Klassikers geplant, dass sogar den selben Titel trägt. Diese Version spielt allerdings im modernen Thailand und statt Samurai verteidigen Blackwater-artige Söldner die Dörfler vor drohendem Unheil.

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