Der Tag, an dem ein Klassiker modernisiert wurde

Dieser Artikel wurde bereits am 12.12.2008 auf videoregister.de veröffentlicht.

Modernisiert. Das klingt erstmal gut. So hatte ich einerseits große Hoffnung in das Remake von “Der Tag, an dem die Erde still stand“, einem der großen Science Fiction Filme der Fünfziger Jahre , gesetzt. Der kalte Krieg ist vorbei; heute fürchtet sich niemand mehr davor, dass morgen die Erde in der nuklearen Apokalypse versinken wird und das muss sich auch im Plot des Remakes niederschlagen.

Andererseits hatte ich aufgrund gewisser Aussagen im Trailer Angst davor, dass die Außerirdischen zu einer Art durchgeknallter, ultra-arroganter Ökoterroristen degradiert wurden.





Spätestens das Musikvideo mit Thomas D. zu dem Film ließ an der Richtigkeit meiner Vermutung keine Zweifel mehr.





Der Beginn des Films wurde zwar ein wenig aufgepeppelt, aber gleicht im Wesentlichen der Vorlage. Ein extraterrestrisches Raumschiff landet auf der Erde, um genauer zu sein im New Yorker Central Park. Es entsteigt ein Wesen von humanoider Gestalt, das von einem übernervösen Soldaten angeschossen wird und sich als menschlicher als auf den ersten Blick zu sehen herausstellt. Ab hier fangen die drastischen Veränderungen gegenüber dem Original an. Der Fremde vertritt eine Gruppe von Zivilisationen und wurde auf die Erde gesandt, um über die Menschheit zu urteilen. Er sieht sie als nicht lebenswerte Parasiten an, die wegen der starken von ihnen verursachten ökologischen Veränderungen von der Erde getilgt werden sollten, um den Planeten zu schützen. Man hat ein wenig den Eindruck, dass er diese Beurteilung nur aufgrund der wenigen Menschen trifft, die ihn so unfreundlich begrüßten.

Aber natürlich lässt der Außerirdische Klaatu sich noch erweichen und versucht die schon in Gang gesetzte Ermordung der Menschheit zu verhindern. Die Art wie er überzeugt wird, ist allerdings nur mäßig spannend und völlig unglaubwürdig. Überhaupt wurden zwar viele Logiklöcher des Originals gestopft, doch es sind auch etliche neue dazu gekommen.

Dass bei einem Remake die Story verhunzt wird, ist man ja schon gewohnt, darum schauen wir uns die Dinge an, in denen Remakes oft auftrumpfen können. Mit coolen Spezialeffekten und bombastischer Action kann „Der Tag, an dem die Erde still stand“ durchaus dienen, wenn auch nur selten. Die heuschreckenartige Nanitenplage, die eingesetzt wird, um den Planeten zu „säubern“ (und dabei wohl mehr Schaden anrichten würde, als es der Mensch je täte), ist schon faszinierend anzuschauen. Allein dafür lohnt sich ein Kinobesuch aber nicht, außer vielleicht, wenn Sie gerade im Ausland sind und die Möglichkeit haben den Film in einem IMAX-Kino zu sehen.

Schauspielerisch liefert Keanu Reeves eine erstklassige Leistung, allerdings ist die Rolle als unterkühltes Alien ihm auch wie auf den Leib geschrieben. Jennifer Connelly als eine Biologin, die versucht Klaatu umzustimmen, und deren Sohn, gespielt von Will Smiths Sprössling Jaden Smith, machen ihre Sache ebenfalls gut. Einen kurzen, relativ ernsten Auftritt als gescheiter Professor hat auch Monty Python-Legende John Cleese.

Als Fazit lässt sich sagen, dass trotz zahlreicher Schwächen und obwohl sie leicht anachronistisch wirkt die alte Version von „Der Tag, an dem die die Erde still stand“ immer noch besser ist. Falls Sie die noch nicht kennen, sehen Sie sich sie lieber an, statt ins Kino zu gehen. Andernfalls ist der Film nur etwas für Sie, wenn Sie sich an der Grundidee nicht stören und auch keine erstaunlichen Wendungen erwarten.