Sukiyaki Western Django

Was soviel bedeutet wie Eintopf-Western Django. Und das trifft diesen japanischen Streifen von 2007 auch verdammt gut. Eine deftige Spaghetti-Western-Grundlage mit japanischen Schauspielern und wirr eingemixten Eastern-Elementen. Produziert in Englisch, obwohl die Schauspieler es keineswegs akzentfrei sprechen.


Die Handlung dreht sich um ein Dorf, das von zwei rivalisierenden Gangs, den Roten Heike und den Weißen Genji, tyrannisiert wird, die von Gerüchten um einen Schatz dorthin gelockt wurden. Dann kommt, wie sollte es anders sein, ein Fremder in die Stadt - ein namenloser Revolverheld. Beide Gruppen wollen ihn für sich gewinnen, doch der Gunslinger spielt beide Seiten gegeneinander aus. Die Situation eskaliert und am Ende sind so ziemlich alle tot. Dabei bekommt auch eine schöne Frau ihre Rache an den Mördern ihres Mannes, stirbt aber selbst auch. Einer der wenigen Überlebenden ist ihr kleiner Sohn, ein Mischlingskind, der Vater vom Clan der Roten, die Mutter vom Clan der Weißen, aber beides keine Gangster. Es wird eingeblendet, das dieser Junge später nach Italien zog und unter dem Namen Django bekannt wurde. Zum Abspann erklingt dann auch die japanische Version des Django Liedes.


Hier mal das Original:




Als Nebenrolle und einziger westlicher Schauspieler zu sehen ist Quentin Tarantino, der sich dieses Pseudo-Remake eines seiner großen cinematischen Vorbilder nicht entgehen lassen konnte. Tarantino ist auch ein guter Vergleich was den Stil angeht, wenn man von der Musik absieht. Wie bei ihm und in der Natur der Sache liegend gibt es natürlich zahlreiche Anspielungen auf alte Filme. Zunächst mal besteht schon von der Handlung eine große Ähnlichkeit mit Kurosawas Yojimbo, der ja seinerseits auch wieder Western inspirierte und den Mann ohne Namen als gängiges Klischee einführte. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Reminiszenzen an die Klassiker von Sergio Leone und Corbucci. Auch wenn „Django“ so viele Nachahmungen nach zog, dass es man den Titel schon als Hinweis auf generische Italo-Western sehen könnte, vor allem an das Original. Sehr deutlich ist hier eine Szene in der ein Gatling-Maschinengewehr völlig sinnfrei in einem Sarg transportiert wird und es dann natürlich auch zu einem großen Herumgeballer kommt.


Auch wenn diese merkwürdige Hommage viele Dramaelemente enthält, ist sie doch eher skuril-lustig als tragisch. Jedenfalls ist es eine nie da gewesene Pampe. Gewürzt mit ein paar mittelprächtigen Actionszenen, die sich gut ins Bild einfügen. Die Sonderbare Zusammenstellung wird sehr deutlich im Finalen Kampf zwischen dem Fremden und dem Anführer der Weißen. Auf comichafte Weise werden hier der Schwertmeister und der Revolverheld gleich gesetzt: Die Kugeln des Revolvers werden mit dem Katana abgewehrt, doch ebenso der Schlag des Schwertes mit dem Revolver.


Wer auf so etwas steht ist hier gut bedient. Ansonsten schaut man sich lieber den viel cooleren Original-Django an, am besten in der italienischen Fassung, da die Synchronisation entschärfend-entstellend ist. Oder vielleicht „Leichen Pflastern seinen Weg“, ebenfalls von Corbucci. Der ist zwar völlig ernst, aber dank eines kopfgeldjagenden Klaus Kinski nicht weniger verrückt als der Sukiyaki-Western.