Der Dieb von Bagdad

Der erste Film den ich im Kino sah war Walt Disneys Aladdin. Ein wundervoller Film, dank der Exotik arabischer Lande, einem verbrecherischen, aber gutherzigen Helden, einer lieblichen Prinzessin, einem fliegenden Teppich, den phantastischen Kräften eines Djinni und einem bösartigen, zauberkräftigen Wesir namens Dschafar. Sehr klassische Komponenten aus 1001 Nacht, die auch schon 1940 in „Der Dieb von Bagdad“ auftauchten, der selbst ein Remake des gleichnamigen Stummfilmes von 1924 war.


Die Dreharbeiten zum zweiten „Dieb von Bagdad“ begannen nach langer Pre-Production 1939 in England unter der Regie des deutschen Regisseurs Ludwig Berger. Die Premiere sollte aber erst Ende 1940 statt finden, denn sie wurden nach dem Kriegseintritt Englands unterbrochen, weil die Studios für den Propagandafilm „The Lion has Wings“ genutzt wurden.

Mitten im 2. Weltkrieg erschien also das von insgesamt 6 Regisseuren (von denen es nur 3 in die Credits schafften, Berger aber erstaunlicherweise trotz seiner Herkunft auch) gedrehte Märchen. Eine weltfremde Ablenkung die in jenen schlimmen Zeiten wahrscheinlich besonders willkommen war. So ist auch der passende Untertitel „An Arabian Fantasy“ bzw. „An Arabian Fantasy in Technicolor“. In kräftigen Farben und unter Einsatz von für damaligen Zeiten grandiosen Special Effects (die mit einem Oscar prämiert wurden) erzählt er die Geschichte des Kalifen Ahmad und des Diebes Abu – so heißt bei Aladdin übrigens auch der Affe des Protagonisten.

Der im Grunde um sein Volk besorgte, aber äußerst naive Ahmed überlässt seine Geschäfte seinem finsteren Wesir Dschafar, der es ihm dankt in dem er ihn umbringen und seinen Platz einnehmen will. Doch mit Hilfe des Straßenjungens Abu kann der Kalif nach Basra entkommen. Dort bekommt er die abgeschottet lebende, dortige Fürstentochter zu sehen und verliebt sich augenblicklich in sie. Dummer weise gilt es dem nach der Ausweitung seines Herrschaftbereichs trachtenden Dschafar ebenso. Als er Ahmed und Abu im Palast von Basra entdeckt, verwandelt er den Dieb in einen Hund, dem Prinzen nimmt er das Augenlicht. Doch so leicht sind die beiden nicht klein zu kriegen und nach einigen aufregenden Abenteuern gelingt es ihnen natürlich den bösen Wesir zu erledigen.

Ein immer noch sehenswerter Klassiker unter den Abenteuerfilmen, auch wegen seiner Entstehungsgeschichte interessant. Zwar äußerst naiv mit oft dümmlichen Akteuren und nur selten ernst zu nehmen, aber nichts desto weniger unterhaltsam, mit üppiger Ausstattung verzaubernd und lustig. Die schauspielerischen Leistungen sind allerdings eher gering, obwohl das Drehbuch durchaus einiges an potentiellen Möglichkeiten dafür zu bieten hat.

 

 

 


Etwas anders ist die Geschichte im „Dieb von Bagdad“ von 1924. Hier ist der Held gleichzeitig der Dieb, der gottlos und habgierig ist, bis er sich in die Tochter des Kalifen verliebt, das einzige Kind des Beherrschers der Rechtgläubigen. Namen haben die Figuren alle nicht, was wohl in ihrer rein narrativen Welt und Natur begründet ist. Es scheint hoffnungslos für ihn, den Abschaum der Gesellschaft, doch so leicht gibt er nicht auf. Es sind Prinzen aus Indien, Persien und der mongolische Prinz Chinas gekommen, um um die Prinzessin zu werben. Diesen schließt sich der Dieb mit seinem Verbrecherkumpanen einfach in gestohlener Prunkkleidung als weiterer Verehrer an. Er plant die Prinzessin, die sich auch auf den ersten Blick in ihn verliebt, unter Drogen zu setzen und zu entführen. Doch bei einem heimlichen Treffen wird er in ihren Armen instantan geläutert, gesteht ihr kein Prinz zu sein und schwört seinem bisherigen Lebenswandel ab.

Der Mongolenfürst, der davon durch eine asiatische Kammerzofe erfährt, die ihm treu ergeben ist, deckt den Schwindel auf, wodurch der Dieb als Wahlmöglichkeit der Prinzessin weg fällt. Todunglücklich will die Prinzessin Zeit schinden und fordert die Anwärter auf den seltensten Schatz, den sie auftreiben können innerhalb eine größzügigen Frist herbei zu schaffen. Nach einem hilfreichen Hinweis eines gütigen Mullahs macht sich auch der Dieb auf, um einen unglaublich mächtigen Schatz zu finden.

Bei den drei Adeligen spielt sich nun eine leicht veränderte Version der Geschichte von den drei Brüdern ab, die mit gleichem Auftrag von ihrem Vater losgeschickt werden, um den Erben zu ermitteln. Einer schafft ein magisches Auge herbei, mit dem man überall hin sehen kann; einer einen fliegenden Teppich; und der dritte, im Film der Mongole, einen magischen Apfel, der große Heilungskräfte besitzt. Als die drei Brüder sich gegen Ende der Frist wieder treffen, sehen sie durch das Auge das ihr Vater schwer krank ist, durch den Teppich treffen sie ein bevor es zu spät ist und können ihn mit dem Apfel heilen. Die drei Brüder erkennen, dass sie nur zusammen wirklich erfolgreich sein können. Bei den drei Anwärtern auf die Hand der Prinzessin verhält es sich etwas anders. Der Mongole lässt sie vergiften und denkt nach der Rettung, da er sie gerettet habe, habe er das beste bekommen. Sie erkennt jedoch das alle Zauberdinge nötig waren und zieht sich zum Nachdenken zurück. Der Mann aus China hat jedoch getarnte Soldaten in die Stadt geschmuggelt und will Bagdad sich, wenn es anders nicht geht, mit Gewalt nehmen.

Währenddessen prügelt der Dieb sich an Monstern vorbei durch höllische Feuerschluchten, widersteht den Versuchunge von Nymphen und entdeckt schließlich in einem Himmelspalast ein mächtiges Zauberpulver unter einer Tarnkappe. Mit diesem kehrt er zurück, nun wahrlich seiner Angebeteten würdig...

Dieser Film in expressionistischem Stil wurde vom der Amercian Film Institute zum neuntbesten amerikanischen Fantasyfilm aller Zeiten gewählt. Er steht unter dem Motto, dass man sich sein Glück verdienen muss, was plakativ am Anfang und am Ende vom Sternenhimmel gebildet wird. Seine Spezialeffekte sind natürlich noch mehr „out of date“ als die des Films von 1940, aber dennoch schön anzusehen, weil sie mit viel Liebe und Witz erstellt wurden. Einige schwierige Dinge sind auch nicht vorhanden. Auf einen Dschinn ist nicht zu sehen, doch mächtiges, magisches Pulver mit dem man buchstäblich Armeen aus dem Ärmel schütteln kann entschädigt für seine Präsenz. Größter Trumpf ist der Stummfilmstar Douglas Fairbanks, der katzenhaft durch die Stadt turnt und zwar etwas arg gepflegt für einen Dieb aussieht (vielleicht ist er auch nur sehr eitel), aber das Bild eines freiheitsliebenden, draufgängerischen Glücksritters erstklassig verkörpert. Auch ist der Streifen trotz seiner leichten, fabulösen Art ernsthafter als die Version von 1940 und hat einiges mehr an Action zu bieten – alles in allem wohl der überlegenere Film.

 

Youtube-Link zum Film

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