Eine unsterbliche Legende

1992 verfilmte einer der bedeutendsten Regisseure überhaupt, Francis Ford Coppola, einen der bekanntesten und meist verfilmten Stoffe überhaupt, nämlich Bram Stoker's Dracula – und gab dem Film auch genau diesen Namen „Bram Stoker's Dracula“. Man mag sich fragen was die x-te Verfilmung des Stoffes noch bringen soll und denken das jede Variante schon dagewesen wäre...


z.B. Draculas "Soulbrother":



Oder auch Dracula gegen den dunklen Ritter: Link zu "The Batman vs. Dracula"


Aber Coppolas Dracula ist in der Tat etwas, dass es in dieser Form noch nicht gab. Einerseits ist es eine sehr vorlagengetreue und gleichzeitig aufwendige Produktion (40 Millionen Budget), andererseits ist es eine sehr tragische Version. So wurde die Gestalt der Elisabetha, gespielt von Winona Ryder, erfunden: Draclulas Gemahlin, die in der genialen Einführung Suizid begeht, nachdem die feindlichen Türken ihr eine gefälschte Nachricht von seinem Tod zusenden. In einem Anfall ganz miserablen Timings weist der anwesende Priester (Anthony Hopkins) daraufhin, dass sie als Selbstmörderin zur Hölle fahren wird. Daraufhin schwört der Graf (Gary Oldman) Gott ab und erklärt er werde von den Toten wieder auferstehen und sich rächen. Er rammt sein Schwert in das Cruzifix, das zu bluten beginnt. Auch die steinernen Engel der Kapelle weinen blutige Tränen um den verlorenen Sohn. Dracula trinkt das Blut des Herrn und schreit seinen nun unsterblich gewordenen Zorn und seine düstere Verzweifelung in die Welt hinaus. Die Intro gehört wohl zu den besten, die je gemacht wurden, und zeigt deutlich wie virtuos der Rest des Films inszeniert ist. Dem Horror steht sie allerdings eher im Weg, denn es fällt schwer jemanden zu fürchten, mit dem man so viel Mitleid hat.






Ansonsten hält sich der Film wie gesagt wie kaum ein anderer an die Vorlage. Immobilienmakler Jonathan Harker (Keanu Reaves, der hier unter Beweis stellt, dass er nur ein sehr begrenztes Repertoire hat) reist nach Transylvanien zum Grafen Dracula, der mehrere Anwesen in London erwerben möchte. Sein Vorgänger, der eigentlich für den Auftrag vorgesehen war, ist wahnsinnig geworden und sitzt in der Irrenanstalt (Der übermächtige Wille des Vampirs hat seinen Geist gebrochen). In Rumänien merkt Jonathan schnell, dass etwas mit Dracula etwas nicht stimmt, aber das nützt ihm nichts. Er wird dort von Draculas Bräuten festgehalten, während der Graf im Gegenzug ein Auge auf Harkers Braut Mina (Winona Ryder) geworfen hat, die Elisabthas Ebenbild ist – vielleicht gar ihre Wiedergeburt? Den Schrecken in London kommt Professor Abraham van Helsing (nochmal Anthony Hopkins), der Erzfeind Draculas, herbeigeeilt. Und auch Jonathan kann den durstigen Fängen der lieblichen Bestien (von denen eine Monica Bellucci in ihrer ersten Rolle ist) schließlich entkommen. Doch der Nosferatu ist kein einfacher Gegner und Mina droht seinem Charme zu verfallen.


Die Story ist zwar ein Klassiker aber alleine nicht unbedingt fesselnd. Die wundervoll photographierten Bilder mit aufwendigen Kostümen und pompösen Sets, die durch geschickte Überblendungen ineinander übergehen schlagen den Zuschauer aber in ihren Bann wie der Blick des Vampirs. Dabei wird konstant eine düstere Stimmung beibehalten, die - abgesehen von einigen teuflischen, halbhumanoiden Gestalten die Dracula annimmt – auch stets eine gewisse Eleganz ausstrahlt.


Erstklassig untermalt wird das ganze von einem Score vom Polen Wojciech Kilar, der unter anderem auch die Musik für „Der Tod und das Mädchen“, „Die Truman Show“ und „Die neun Pforten“ machte. Dracula hat dabei ein Thema das ein wenig traurig ist, vor allem aber auf eine träge Art bedrohlich, wie es sich für eine für ein uraltes, unaufhaltsames Ungeheuer gehört; die Jäger ein schnelleres, entschlossen klingendes, ohne dabei ins abenteuerliche abzugleiten, sondern schön gruselig bleibendes Thema.




 

Es gibt auch einige Ähnlichkeiten in Bild und Kilars Arbeit zum ältesten Dracula-Film „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ von 1922 (Dracula konnte man ihn nicht nennen, das Stokers Witwe die Rechte dafür nicht raus rücken wollte). Diesen gibt es übrigens zum kostenlosen und legalen Download beim Internetarchiv, wenn auch nicht in der Originalfassung. Ich hatte mal das Glück ihn mit Live-Pianountermalung genießen zu dürfen, ein Erlebnis das sich auf jeden Fall lohnt.