Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen

Das sagte Platon einst. Auch wenn wir hier ziemlich friedlich leben, ist auf einer globalen Ebene ununterbrochen irgendwo Krieg. Insofern hat der Ausspruch ungebrochene Gültigkeit. Die andauernden Konflikte benötigen natürlich Waffen und Munition, was einen Milliardenmarkt eröffnet (auch in Deutschland hatte die Rüstungsindustrie im Jahre 2006 einen Umsatz von 1,7 Mrd. US-$). Ein dickes Stück vom Kuchen fällt dabei auch für die Belieferer des Schwarzmarktes ab. Und um einen solchen illegalen Waffenhändler geht es in „Lord of War“ aus dem Jahre 2005.


Der Film ist schon allein wegen dem zweiten Teil der Intro sehenswert, in der der Weg einer Patrone verfolgt wird:





Yuri Orlov (Nicolas Cage) ist bereit alles was nötig ist zu tun, um aus seinem miesen Leben in einem „Little Odessa“, wie die Gegend von Brighton Beach in Brooklyn auch genannt wird, Lebewohl zu sagen. Nachdem er eine Schießerei angesehen hat, beschließt er etwas zu verkaufen, dass die Menschen immer brauchen werden: Waffen.

Unterstüzt von seinem Bruder Vitaly (Jared Leto), der aber bald zum Junkie wird, hat er enormen Erfolg in diesem Geschäft. Mit Hilfe seines Geldes gelingt es ihm auch seine langjährige Angebete, ein Supermodel, das aus dem gleichen Einwanderer-Slum wie Yuri stammt. Seine Geschäfte hält er vor ihr geheim, was sie aber auch nicht anders möchte. Insbesondere der Zusammenbruch der Sowjetunion ist sehr förderlich für Yuri. Mit Hilfe seines Onkels, der ein hohes Tier beim Militär ist und auf einem riesigen Lager mit dem Kriegsgerät einer zusammengebrochenen Supermacht sitzt, wird Yuri wirklich einer der ganz Großen. Der Preis dafür ist, dass er endgültig die Grenze selbst des kläglichen Gewissens überschreitet und selbst einen Menschen tötet.

Der korrekte Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) ist dem „wahren Lord of War“, wie sein bester Kunde ihn nennt, auf den Versen. Der bereitet ihm auch auf persönlicher Ebene Probleme. Als Valentine Yuris Frau (Bridget Moynahan) erzählt womit genau er sein Geld verdient, verlangt sie von ihm mit dem Waffenhandel aufzuhören. Mit allem sei sie gescheitert, sagt sie, aber als Mensch werde sie nicht scheitern.


Der Film war ein Independent Projekt mit einem erstaunlichen Budget von 42 Millionen Dollar, was aber für die Wünsche von Regisseur Andrew Niccol dennoch knapp bemessen war. Die Thematik und dass auch die USA nicht eben glanzvoll dastehen, war wohl Ursache für diese Finanzierungsprobleme, die aber zum Glück durch ausländische Investoren gelöst werden konnte. Sparen konnte Niccol z.B. indem er echte Kalaschnikows kaufte statt Replikate.


Die Flagge Mosambiks mit Hacke und Kalaschnikow, den Werkzeugen des fleißigen Arbeiters:



Der Film wird von der Hauptperson erzählt, die trotz ihres Zynismus sehr sympathisch rüberkommt. Vielleicht etwas zu sympathisch, schließlich reden wir hier von jemanden der skrupellos schwere Waffen an Diktatoren, Terroristen und jeden anderen der sie bezahlen kann verkauft. Auch der Humor und der „Unterhaltungsfaktor“ verwässern die Botschaft des Filmes streckenweise. Andererseits muss Yuri auch Freude in seinem Leben haben – wenn alles daran nur schlecht wäre schließlich niemand Waffenhändler.

Viele Details wurden von wahren Begebenheiten übernommen und Yuri wie es heißt aus mehreren tatsächlichen Waffenhändlern zusammenkomponiert. So kann man wohl von einem einigermaßen authentischen, wenn auch aufgepeppelten Einblick in den internationalen Waffenhandel und zugleich einer Anklage sprechen, die aber genauso als Unterhaltungsfilm funktioniert. Folgerichtig aus dem Wirklichkeitsnahen ist der Film ziemlich trostlos. Ganz am Ende wird darauf hingewiesen, dass die fünf größten Waffenlieferanten der Welt, die USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien auch die ständigen Mitglieder im UN-Sicherheitsrat sind.

Die wollen sich wohl an einen anderen lateinischen Spruch halten. Si vis pacem para bellum – Wer den Frieden wünscht, bereitet sich für den Krieg vor. Dabei sollte man allerdings nicht gleichzeitig die falschen Leute mit ausstatten.


Am 8.3. läuft der Film auf RTL um 20.15 und nochmal eine Wiederholung um 1.00 Uhr. Einen Blick ist er auf jeden Fall wert.


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