The Strange Case of Dr. Jackman and Mr. Hyde

Einer der großen britischen Klassiker ist Robert Louis Stevensons „The strange case of Dr. Jekyll and Mr. Hide“. Darin nimmt der Gutmensch Jekyll eine Droge, die ihn körperlich und mental verändert zu einem abstoßenden und bösartigen Geschöpf, Mr. Hyde, werden lässt, dass aber viel Freude am Leben hat. Freuden die dem tugendhaften Jekyll versagt bleiben.

Die BBC hat im Jahr 2007 eine hervorragende sechs-teilige Miniserie unter dem Titel Jekyll produziert, die das Thema aufgreift. Auf Arte lief die Serie auf deutsch (und eine Wiederholung tut es zu unchristlichen Zeiten noch), als Doppel-DVD ist sie bisher aber nur mit dem Originalton erhältlich.


Die Serie spielt in der heutigen Zeit, Protagonist ist ein gewisser Doktor Thomas Jackman (James Nesbitt), dessen Herkunft im Dunkeln liegt. Sie beginnt schon in in einem sehr fortgeschrittenen Zustand der Geschichte und arbeitet viel mit Rückblenden. Dr. Jackman verwandelt sich immer wieder körperlich und geistig in jemand anderen. Eine triebgesteuerte, bösartige Person die zwar über kaum Selbstkontrolle, dafür aber übermenschliche Stärke und andere außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt. Beide werden vom selben Schauspieler gemimt, wenn auch mit verändertem Aussehen, die übrigen Filmfiguren erkennen sie aber durchaus als unterschiedliche, wenn auch ähnliche Menschen.

Am Anfang sind die beiden von James Nesbitt verkörperten Rollen sehr unabhängig voneinander. Sie teilen keine Erinnerungen, „Hyde“ weiß zunächst nicht einmal das Jackman verheiratet ist (seine Frau wird gespielt von Gina Bellman) und 2 Kinder hat. Jackman versucht die Situation im Griff zu behalten, geht dabei sogar ziemlich diplomatisch vor. Er heuert eine Assistentin für sie beide an, kommuniziert mit Hyde über ein Diktiergerät, stellt Forderungen um Katastrophe zu vermeiden. Aber so einfach ist Hyde nicht unter Kontrolle zu halten. Als zusätzliches Problem taucht eine geheimnisvolle und sehr einflussreiche Organisation auf, die großes Interesse an Mr. Hyde hat.


Die Serie kann man wohl als Mystery-Thriller-Drama einstufen, wird gelegentlich aber auch sehr (schwarz)humorig. Manchmal wird dies zum Nachteil, da es manchen Szenen die Ernsthaftigkeit nimmt, die diese gut gebrauchen könnten. Das ist aber auch die einzige wirkliche Schwäche.

Zum Buch – dessen Existenz in der Serie auch aufgegriffen wird – gibt es ganz grundsätzliche Unterschiede. Im literarischen Vorbild wird Hyde durch einen alchemistischen Trank geschaffen. Jekyll will absichtlich das Gute und das Böse in seinem Wesen trennen. Dabei zeigt er zwar nachher Reue für seine Taten, dennoch kann er den Verlockungen des Bösen und damit Ungezügelten und Freien nicht widerstehen. In der Serie wird Jackman ganz ohne eigene Schuld von Anfällen geplagt, die ihn in seinen inneren Dämon verwandeln. Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass Jekyll keine nahen Angehörigen hat, in „Jekyll“ Jackmans Familie aber ganz zentral für den Handlungsbogen ist. Eine Organisation gibt es im Buch ebenfalls nicht, aber das bekannte Mysterium des „strange case“ muss ja durch ein anderes oder in diesem Fall durch eine ganze Reihe anderer ersetzt werden.


Das Ende der Serie ist zwar durchaus in dem Sinne befriedigend, dass keine Fortsetzung nötig ist. Möglich ist sie aber durchaus, es ist noch genügend Potential für eine zweite Staffel vorhanden. Wenn die ähnlich gut werden würde wie die erste, wäre das sicher eine hervorragende Idee.