Auf der Suche nach den fehlenden Tonspuren

oder Vom Kampf der Titanen


Conan, der Barbar ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Die größte Wichtigkeit dafür liegt nicht wie man etwa vermuten könnte bei Arnie, obwohl der seinen Job gut macht, sondern bei Mastermind Basil Poledouris, der den göttlichen Soundtrack des Films komponierte. Der geniale Mann, der leider 2006 an Krebs starb, schuf damit nicht nur den in meinen Augen besten Soundtrack aller Zeiten (und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da), sondern gar – müsste ich mich entscheiden - meinen Favoriten unter allen Musikalben. Dummerweise sind auf der handelsüblichen CD nur 12 Tracks, obwohl 16 Stücke aufgenommen wurden.


Lange habe ich vergeblich nach der kompletten Version gesucht, nachdem ich aus Gerüchten erfahren hatte, dass sie existiert. Doch meine Suche war zunächst vergeblich, was mich nicht überraschte, da es nur einige hundert Exemplare gibt. Auch ein Beziehen über freundlich Datei-Teiler war nicht möglich. Schließlich stieß ich auf ein Exemplar, das jedoch zum Fantasie-Preis von 80 € verkauft wurde – das auch noch für ein Album von dem ich schon ¾ hatte. Verärgert darüber dem Ziel so nah und doch so fern zu sein, suchte ich intensiv weiter und fand zuletzt ein hervorragendes Angebot bei ioffer.com. Diese Seite ist eine Art Ebay, nur dass man hier nicht bietet, wie auf einer Auktion, sondern feilschen kann wie auf einem Markt, auch wenn das in Deutschland nicht unbedingt üblich ist. Hier konnte ich zwar nicht die wirkliche CD, aber die Tracks als MP3s für nur 5 $ erwerben (und einen zweiten Soundtrack als MP3s gab es kostenlos dazu). Nach einigen Problemen mit den Damen und Herren vom Zoll, die aber letztlich nichts daran auszusetzen hatten, konnte ich am Ende dieses günstig erworbene und doch so kostbare Stück meiner Sammlung hinzufügen.


Die Mühe hat sich aber gelohnt, wie ich es auch erwartete. Abgesehen vom Präludium sind auf der Version natürlich alle Stücke der gewöhnlichen Fassung enthalten. Allesamt Glanzleistungen an sich und auch ausgezeichnet auf den Film abgestimmt.

Zuerst dass bombastische „Anvil of Crom“, dessen donnernde Paukenschläge und dröhnenden Blechbläser unwillkürlich die Assoziation zu muskelbepackten Hünen in Fellkleidung auslösen, die ja auch im Film auftauchen. Ich denke auch immer an Galeerentrommler ähnlicher Statur.

Darauf folgt das unschlagbare „Riddel of Steel/Riders of Doom“ - wie mehrere Titel auf dem Album mit einem Doppelnamen versehen, aber hier sind auch tatsächlich zwei sehr unterschiedliche Stücke die miteinander verwoben sind. Einerseits das ruhigere, geheimnis- und erwartungsvolle „Rätsel des Stahls“ und dann das gewaltätige, epische Chorstück „Riders of Doom“. Perfekte Musik und perfekte Untermalung: So meint man beim Anschauen des Films in den Schellen des Stücks das Klirren der Pferdepanzer zu vernehmen, als sich Thulsa Dooms Mörderbande nähert. Bei diesem Stück lernte ich auch sehr den Wert eines guten Dirigenten zu schätzen. In einer nicht-originalen Version mit dem Crouch End Festival Chorus und der Praager Philharmonica fand ich das Stück um Längen schlechter, obwohl sie im Prinzip ja die gleichen Noten spielen. Selbst mir als Musiklaien missfallen da die Unterschiede in der Dynamik etc.. Sehr viel besser kann man den lateinischen Text verstehen, bei dem in einer Passage gesungen wird „Ave Nevis! Ave ferrum (Eisen/Waffe)! Ave tela (Munition/Geschoß/Fernwaffe)! Ave cruor (Blut/Mord)! Ave pugna (Kampf)! Ave moritur (Sterben)!“. Das ist zwar interessant, aber eigentlich ist es unwichtig Worte herauszuhören, der Gesang sollte doch sowieso in einer längst vergessenen Sprache archaischer Barbaren sein, die darin ihre blutrünstigen Götter preisen.





Danach folgt das ruhigere, aber doch kraftvolle „The Gift of Fury“. Der Titel hat einen Anflug von Zynismus, denn er untermalt die Szene in der Conan's Mutter der Kopf abgeschlagen wird, doch ist auch treffend. Er impliziert dass der Zorn das ist was den Barbaren trotz widriger Umstände am Leben hält. Thulsa Doom greift dies am Ende auf, als er versucht Conan von seiner Rache abzuhalten, indem er behauptet ohne seinen Durst nach Rache wäre Conan nichts, er wäre ein Geschöpf Dooms.

Ungewiss und irgendwie bedrohlich ist die „Column of Sadness“ in der die cimmerischen Kinder fortgeführt werden zum „Wheel of Pain“, in einem Kombititel. Unterlegt von Quitschen der primitiven Mühle an der sie arbeiten müssen, wird darin in mehreren monotonen Abschnitten im Schnelldurchgang auch musikalisch aus dem kleinen Conan ein riesiger Muskelberg. Man könnte sagen ein klassisches Actionhelden-Stück.

Sehr mystisch ist „The Atlantean Sword“. Erst sanft und vorsichtig steigert es sich dann zu einem glorreichen Ende.

Ganz anders ist Theology/Civilisation. Es wirkt verspielt und fröhlich wie ein lustiges Abenteuer auf dem es aber auch erstaunliche Dinge zu sehen gibt. Auch dieses Stück ein absolutes Highlight.





Das Love Theme „Wifeing“ ist stellenweise ein wenig traurig und verheißt kein gutes Ende, aber auch ergreifend.

Deutlich verlängert im Gegensatz zur kürzeren Version ist Leaving – The Search. Es klingt schwermütig, ernst, manchmal zerrissen.

Auch „The Orgy“, ein Stück an dessen Schreiben auch Basils älteste Tochter Zoë Poledouris beteiligt war, passt wieder perfekt. Es klingt einerseits gemütlich andererseits andererseits würdevoll und groß. Dazu kommt eine gewisses Hin- und her, so dass auch das Herumgeschleiche von Conan und seinen Kumpanen, das an dieser Stelle im Film zu sehen ist, in die Musik mit aufgenommen wird. „The Orgy“ wurde in der längeren Veröffentlichungs-Version um einen voran stehenden Teil mit dem Titel „The Kitchen“ erweitert. Für diesen Namen klingt es aber sehr verheißungsvoll. Das „Riders of Doom“-Thema wird hier etwas behäbiger und getragener wieder aufgenommen.

Auf das herzzereißenden „Funeral Pyre“ folgt „Battle of the Mounds“ auf der kurzen Version noch Part 1 genannt.

Und zu guter Letzt das besinnliche „Orphans of Doom/The Awakening“ das in einem erhebenden Finale endet.


Dazwischen sind noch vier weitere Stücke dazugekommen. Ein vergnügliches doch ehrwürdiges musikalisches Fanal namens „Mountain of Power Procession“. Das irgendwie gruselige, marternd und auf eine ungewisse Art gefährlich klingende „Tree of Woe“, dass auf halber Strecke durch das Thema aus Theology/Civilisation abgelöst wird und dann ins Love Theme übergeht. In der darauf folgenden Recovery wird der ruhigere Teil der Conan-Erkennungsmelodie aus „Anvil of Crom“in einer zunächst schwächlichen Weise gespielt, die dann aber anschwillt und von hohen Gesängen begleitet wird. Als Erweiterung zum ersten Teil des „Battle of the Mounds“ folgt das würdevolle, gewaltige , stellenweise sehr ruhige oder am Ende gar engelshaft (Harfen und Gesang) anmutende „Death of Rexnor“.

Außerdem ist die Soundqualität, die - wie bei einem Film von 1982 nicht anders zu erwarten – nur auf mittelprächtigem Niveau ist , auf dem erweiterten Album ein wenig besser.


Vor einiger Zeit war ich in einer Ausstellung in der unter anderem 3 verschiedene Entwürfe für das Filmplakat zu Conan, der Barbar zu sehen waren. Bei den Varianten sank die Zahl der Gegner, es war weniger Blut zu sehen und weniger Haut bei Conans weiblicher Begleitung Valeria. Das mittlere davon würde schon einem Manowar-Cover zur Ehre gereichen. Optisch durchaus am besten passend, wurde für das tatsächliche Plakat das Bild ohne Gegner und Blut gewählt. Der Soundtrack aber vermittelt eher das heftigste Bild. Die Musik nimmt der Situation die Lächerlichkeit, wenn Conan davon spricht, wie sie zu zweit „gegen eine ganze Armee“ kämpfen, wie es in der deutschen Synchronisation heißt, und die „Armee“ dann aus etwa 2 Dutzend Reitern besteht. Sie vermittelt das Gefühl tatsächlich bei etwas Epischem dabei zu sein, einer Schlacht von Titanen, einer Schlacht in einer brutalen, urzeitlichen Welt. Einer Welt in der ein Sklave durch die Kraft des Stahls zum von eigener Hand gekrönten König eines mächtigen Reichs werden kann.


In Conan, der Zerstörer hat man dann unglücklicherweise ausgerechnet am Orchester und Chor gespart, weshalb der Soundtrack erheblich gegen seinen Vorgänger abfällt.

Doch gegen dieses Wunder menschlicher Kreativität abzufallen ist keine Schande. Nicht nur, dass die Musik hundertprozentig genau auf die Bilder abgestimmt ist, sie ist auch alleine stehend unvergleichlich grandios. Eine Leistung die Basil Poledouris' Ruhm sicherlich lange erhalten wird. Und ein Album das in keinem CD-Regal fehlen sollte.





Es sei nicht unerwähnt, dass für 2010 eine Conan-Verfilmung geplant ist, die sich angeblich näher an die Vorlage von Robert E. Howard hält, als die von John Milius. Mindestens im Zuge der Diversität ist das erfreulich. Ich hoffe, dass die musikalische Untermalung auch nur annähernd so gut ist, wie die von Basil Poledouris, dann hätte der Film bei mir schon einen Stein im Brett und der Soundtrack einen Käufer.