Shakespeare auf der Verbotenen Welt

"We're all part monsters in our subconscious, so we have laws and religion!"

- Commander Adams zu Dr. Morbius


Der Science-Fiction-Klassiker Forbidden Planet (der deutsche Titel ist etwas nichtssagend: Alarm in Weltall) ist inspiriert von Shakespeares The Tempest/Der Sturm. Was beim Dicherfürsten der Magier Prospero ist, ist in dem 50ger-Streifen der Wissenschaftler Dr. Morbius, ausdrucksstark gespielt von Walter Pidgeon.

Dieser lebt nur mit seiner Tochter (Anne Francis) auf dem Planeten Altair IV (der Stern Altair existiert übrigens wirklich und ist Teil des Sternbildes Adler). Die beiden sind die letzten Überlebenden eines Wissenschaft-Teams, dass den Planeten untersuchen sollte. Captain Adams (Leslie Nielson – und nein! der Film ist zwar nicht frei von Humor, aber durchaus ernst gemeint) fliegt nun in einem Untertassenraumschiff zu diesem Planeten, um dort nach dem rechten zu sehen.

Dr. Morbius versucht sie davon abzuhalten, scheitert jedoch. Bald nach der Landung machen die Erdlinge die unangenehme Bekanntschaft einer unsichtbaren und höchst mysteriösen Kreatur, die auch schon das übrige Wissenschaftlerteam umgebracht hat.

Es stellt sich heraus, dass Morbius, die unter der Erde befindlichen Hinterlassenschaften einer urzeitlichen, einheimischen Kultur untersucht, die technologisch und kulturell äußerst hochentwickelt war. Der Verdacht liegt nahe, dass dies irgendwie mit dem unglaublichem Geschöpf zu tun hat, das auf dem Planeten Schrecken und Tod verbreitet.


Was die Natur des Wesens ist, soll an dieser Stelle nicht genau verraten werden, aber soviel sei gesagt: Der Name „Bellerophon“des Schiffes, das die Wissenschaftler nach Altair IV brachte ist, ein Omen für das was später geschah. Bellerophon ist ein Heroe der griechischen Mythologie, dessen Wanderschaft begann, nachdem er seinen Bruder erschlagen hatte.


Forbidden Planet ist ein Klassiker mit einer intelligenten und kreativen Story, ordentlichen Schauspielern und antiquirten, aber immer noch erstaunlichen Special Effects. Man kann deutlich den Einfluss erkennen, den dieser Film hatte, z.B. auf Star Trek und Star Wars. Er gehört zu den ersten Science Fiction-Filmen, die das Potential dieses Genres Geschichten mit Tiefgang zu erzählen ausnutzen und er ist ungewöhnlich ordentlich produziert - die fast 5 Millionen Dollar, die er verschlang, haben ihn würdevoll altern lassen. Der Roboter Robby, ein freundlicher Diener von Dr. Morbius, war damals der teuerste Special Effect aller Zeiten und avancierte zur Kultfigur. Sogar noch in Star Wars Episode I hatte er einen „Cameo-Auftritt“ in Wattos Geschäft.

Auch der Soundtrack von Louis und Bebe Barron verdient besondere Anerkennung. Durch sein obskures fiepen, summen, blubbern und grollen wirkt er so außerirdisch und fremd wie kein anderer, den ich kenne. Er wurde mittels verschiedener wissenschaftlicher Instrumente und vieler selbst gebastelter Spielereien erstellt. Weil er elektronischer Natur ist, wurden die beiden damals nur als Tontechniker geführt und ihr Meisterstück bei der Oscarnominierung außen vor gelassen.


Alleine aufgrund seiner Vorreiterstellung lohnt es den Film anzuschauen., der klar aus der Masse billigem Science Fiction-Schunds herausragt, den diese Zeit hervorbegracht hat. Aber auch ganz abgesehen von nostalgischen Gefühlen und historischem Interesse ist der Film sehenswert.

Nachdem es ein Remake von „Der Tag, an dem die Erde still stand“ gab, ist es nicht sonderlich überraschend zu erfahren, dass ein Remake von Forbidden Planet für 2010 geplant ist. Hier erkenne ich wesentlich weniger Bedarf, da die Thematik eigentlich zeitlos ist. Andererseits wird dadurch vielleicht auch die Gefahr gemildert, dass das Remake fürchterlich wird, so wie es der neue „Tag, an dem die Erde still stand“ war.